04. Mai 2021
Allgemein Gelebtes

Führen fast ohne Worte

Es ist die Aufgabe von Sicherheitsbeauftragten in der Produktion, ihre Kollegen auf Gefahren aufmerksam zu machen, dafür zu sorgen, dass sie Regeln einhalten. Von Kollege zu Kollege, ohne Weisungsbefugnis. Und das ehrenamtlich, dafür wird niemand bezahlt.

Befehlen, weil man eben der Chef ist, kann jeder. Was aber, wenn man nur auf Argumente angewiesen ist, nicht weiterkommt, weil alles bereits gesagt ist? Dann dreht sich das Gespräch im Kreis.

In der Produktion hat zudem niemand Zeit lange zu diskutieren. Der Lärm führt zu lautem Sprechen, das macht aggressiv. Was tun, wenn der Gabelstaplerfahrer die Paletten, die den Notausgang blockieren, wieder wegräumen muss – sofort, nicht erst morgen, nicht in drei Stunden? Der Fahrer weiß das, macht es aber nicht.

„Ist ja ein toller Job!“ Der Sicherheitsbeauftragte muss dauernd in den Konflikt gehen, bekommt dafür aber weder Geld noch Macht. Er macht es dennoch, denn denen, die das freiwillig übernehmen, geht es um das Thema, ihnen ist Sicherheit sehr wichtig. Ihnen ist wichtig, dass den Kollegen nichts passiert – und ihnen selber auch nicht.

Wie geht man nun mit Einwänden um wie: „Hab ich noch nie gemacht!“„Mir ist noch nie etwas passiert!“„Morgen fahre ich die da weg!“?

Mit natürlicher Autorität – und indem man die eigene Körpersprache klar und wirkungsvoll einsetzt. Stellen wir uns folgende Situation vor: Der Sicherheitsbeauftragte erklärt kurz und knapp, dass es nicht um Schikane geht, sondern darum, konkrete Gefahren abzuwenden. Anschließend schaut er dem Kollegen eben nicht mehr in die Augen, denn das ist die Einladung, lass uns diskutieren. Er dreht sich zur Seite, die Handbewegung mit dem Zeigefinger auf die Paletten gerichtet sagt er ruhig und sachlich: „Wegfahren, sofort.“ Der Blick des Fahrers folgt automatisch der Hand, und damit sind beide raus aus dem Auge-in-Auge-Konflikt. Und dann geht der Sicherheitsbeauftragte in Ruhe weg – er läuft nicht und er schlendert nicht.

Die innere Haltung dabei muss stimmen. Er will dem Kollegen persönlich nichts. Kein Befehlston, keine Drohung. Die Aussage kommt ganz sachlich, wie wenn Sie im Supermarkt jemand fragt: „Wo steht denn die Milch?“. Antwort: „Dritter Gang links, dann gleich auf der rechten Seite.“ Der gleiche Tonfall: „Wegfahren sofort.“ Das muss man üben.

Nonverbale Kommunikation zeigt in der Produktion starke Wirkung. Übrigens nicht nur da!